Was passiert bei Comedy?

Comedy positioniert!
Comedy ist Teil einer Strategie!
Comedy hat ein Format!!

Mit Radio Comedy positioniere ich die Philosophie des Senders und wenn möglich den Moderator (m/w).

Zuerst muss klar sein: Bin ich mit meiner Szenerie, mit meinen Themen, mit meiner Anmutung in der Lebenswelt meiner Hörer? Spreche ich deren Sprache? Verstehen die mich? Haben Wechselhörer eine Chance sofort zu verstehen, was da passiert? Wer ist das? Wo ist das? Was will der? Wie kommt das in die Sendung?

Das Setting

Das Setting (Einzelfigur – Paar – Familie) muss für den Hörer also nachvollziehbar und sofort erkennbar sein. Was is n da los und warum? Der Hörer muss das Gefühl haben, „…irgendwoher kenne ich diese(n) Typen…“

Der am meisten unterschätze Aspekt einer Comedyfigur ist Moral.
Nehmen wir Homer Simpson. Homer ist ein verfressener, Bier saufender, stinkfauler Egoist, der lieber in seine Stamm-Kneipe geht, als Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Aber wenn nötig, würde er für seine Kinder alles tun und in fast jeder Folge gesteht er seiner Frau, dass er sie über alles liebt. Die Komik entsteht unter anderem durch seine Gewissensentscheidung: Bier oder Frau? Kinder oder Kneipe? Geld oder Liebe? Ist Homer am Ende einer von uns…?

Mindestens genauso wichtig wie die Moral der Figuren ist das Timing. Wenn eine Figur sitzt, das heißt, wenn sie als Charakter in sich schlüssig ist, spricht sie keine Füllsätze. Gute Comedy hat einen Rhythmus. Klipp – Klapp! Kein Wort ist umsonst.

Wie entsteht eine Pointe?

Eine typisch (deutsche) Definition von Humor ist: „… wenn man trotzdem lacht.“ Comedy ist der spielerische und kreative Umgang mit der Realität. Kreativität in Comedy entsteht durch die Verbindung zweier unabhängiger Ebenen. Das bedeutet: Humor bedingt immer eine Wechselwirkung, einen Konflikt oder Gefahr. Scheitern – Auflösung. Bedauernswerte Einfalt – genialische Analyse. Das Erkennen von Zusammenhängen. Verbindung von Stärke und Schwäche. Dieses dramaturgische Konstrukt ist für gute Comedy unerlässlich. Eine gute Möglichkeit ist, dass sich der Protagonist einen erkennbaren Malus leistet. „Dümmer, einfältiger, schwächer oder harmloser“. Es kommt so zu einer Verschiebung der Perspektive.

Wird eine Figur lustiger, wenn sie mit einer „Comedy-Stimme“ spricht? Nicht unbedingt. Aber wenn sie gut ist und die Dramaturgie stützt, ja. Das gilt auch für Parodien. Nur weil man nach jedem dritten Satz die Luft durch die Lippen zieht, klingt man noch lange nicht wie Jogi Löw. Gefährliches Terrain ist die Dialektparodie. Wer in NRW aufgewachsen ist tut sich schwer, wie Horst Seehofer zu klingen, was viele aber nicht davon abhält, es dennoch zu versuchen. Das ist auch so lange kein Problem, bis jemand hört, der weiß wie Bayerisch klingt. Übrigens, wer aus Niederbayern kommt, muss deshalb nicht zwingend Niedersächsisch sprechen können. Runter gebrochen: Wenn eine Figur Dialekt spricht; bitte authentisch. Das schließt natürlich nicht aus, dass ein Münchner einen Hamburger parodieren kann.

Habt Mut und schafft Raum

Zum Schluss eine Bitte an die Radiomacher: habt den Mut zu probieren! Und ein Appell an die Verantwortlichen: gebt euren Kreativen den Raum und die Möglichkeit sich auszuprobieren!

Zu Robert Urban:
Robert verantwortet bei Bayern 1 den Bereich Unterhaltung. D.h. er arbeitet mit den Comedians und Kabarettisten (u.a. Bruno Jonas, Willy Astor, Wolfgang Krebs) zusammen, die im täglichen Wechsel bei Bayern 1 onair. Außerdem ist er selbst als Autor tätig.
Für die BRmedia ist er als freier Kreativ Direktor tätig und erstellt Kommunikationskonzepte für Werbepartner des BR.

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