Plötzlich ist er da:
der Geistesblitz

Aber dann kommt er irgendwann, der Unter-der-Dusche-Moment, den wir alle kennen. Scheinbar aus dem Nichts ist er da. Der entscheidende Gedanke. In Bruchteilen von Sekunden wissen wir, was zu tun ist. Auf einmal ist völlig klar, wie alles aussehen muss.

Ich habe auch immer an einen rettenden Zufall geglaubt, aber es ist offensichtlich gar kein Zufall. Aus Versehen habe ich einfach genau das Richtige getan: Nicht mehr drüber nachgedacht.

Dabei geht es gar nicht nur um die ganz großen Herausforderungen wie die Programmreform, das neue Sendeformat oder die neue Plakatkampagne. Auch bei den täglichen Aufgaben funktioniert das Prinzip ziemlich zuverlässig und gut. In der Redaktion ist es mir regelmäßig so ergangen: Erst alles Lesen, was für den Beitrag oder die Newsmeldung wichtig ist, dann etwas anderes machen (Ja, bei mir war es immer wieder auch die Zigarette, die ich mal eben geraucht habe) und siehe da, die Idee zum Aufbau der Geschichte kommt wie aus dem Nichts. Einfach so.

In den vergangenen Jahren habe ich meinen Redaktionen und Workshops immer wieder davon erzählt. „Einfach das ganze Material erst einmal weglegen, irgendwann habt ihr schon einen Einfall.“ „Stimmt, das funktioniert wirklich“, habe ich ab und zu als Feedback bekommen.

Ich hab mich natürlich sehr gefreut, dass ich mit meinen Tipps helfen konnte. Es stellte sich heraus, dass ich auf der richtigen Fährte war. Aber ich lag eben falsch damit, dass es Zufall ist, wenn uns Ideen kommen. Es ist vielmehr die logische Folge all der Dinge, die wir getan haben, bevor uns der entscheidende Gedanke kam. Es ist ein Prinzip, das schon Ende der 30er Jahre von einem amerikanischen Werbe-Guru in einem kurzen Buch zusammengefasst worden ist.

Erst vor wenigen Wochen bin ich über einen Newsletter auf „A Technique for Producing Ideas“ von James Webb Young aufmerksam geworden. Er beschreibt, dass die zündenden Ideen eben nicht von allein kommen. Noch besser: James Webb Young sagt, das ist alles kein Zauberwerk – das kann jeder. Ideen zu produzieren sei auch nichts anderes als Autos vom Band rollen zu lassen.

Dazu müsse man nur 5 einfache Schritte nacheinander abarbeiten und schon komme man zuverlässig auf Ideen.

Der einzige Zufall bei mir war bisher, dass ich intuitiv die Schritte befolgt habe, ohne wirklich darüber nachzudenken. Einer dieser Schritte ist, nicht mehr darüber nachzudenken. Aber es ist eben nur ein Schritt, der ohne die anderen Schritte nicht funktionieren würde.

Der erste Schritt ist „Sammlung von Rohmaterial“. Young versteht darunter nichts anderes als, sich für möglichst viel zu interessieren. Alles lesen, beobachten, aufsaugen und mitnehmen. Das ist für die meisten von uns sowieso Grundvoraussetzung für unsere Jobs. Den ersten Schritt haben wir also alle schon getan. Die anderen vier Schritte sollten für uns auch kein Problem mehr sein.

Das Buch gibt es für 1,99 in der Kindle-Edition bei Amazon. Es ist alles ganz kompakt zusammengefasst. Das Buch kann man locker in einer Mittagspause durchlesen.

Viel Spaß bei Euren nächsten Geistesblitzen. Sie werden bald zu Euren ständigen Begleitern.

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