Engagement & Professionalität
sind beeindruckend

Kein Wunder also, dass sich die Menschen in Afrika besonders gerne und intensiv mit dem Radio beschäftigen. Natürlich gibt es auch, gerade in den etwas westlicher entwickelten Ländern wie Südafrika oder auch Namibia, Ableger kommerzieller Player. Man sollte allerdings nicht unterschätzen, welche Bedeutung und auch Macht Bürgerradios (Community Radios) oder Uniradios haben. Darüber hinaus werden gerade diese mit hohem Anspruch und sehr professionell betrieben; die Macher sind sich ihrer Bedeutung für eine funktionierende Gesellschaft durchaus bewusst und engagieren sich entsprechend stark.

Die Radio Days Africa werden von der journalistischen Fakultät der Universität Johannesburg (University of the Witwatersrand) ausgerichtet und sind kulturell und fachlich höchst interessant. Kulturell, weil das eben Gesagte in eindrucksvoller Weise praktisch erfahrbar ist. Das Engagement und die Professionalität, mit der auch kleine Bürgerradios jeden Tag ihr Programm gestalten, sind beeindruckend und wären für manchen kommerziellen Sender in Mitteleuropa ein Vorbild.

Fachlich ist die Veranstaltung interessant, weil sie einen guten Querschnitt über die aktuelle Diskussion auch des kommerziellen Radiomachens im südlichen Afrika bietet. Die großen Trends des europäischen Radios fanden auch auf den diesjährigen Radio Days ihren Widerhall: Social Media, neue Plattformen wie Webradio und DAB+, Podcasting und Storytelling. Nicht zuletzt hat man auch in Afrika verstanden, dass Radio machen heute ein multimediales Geschäft ist und Wissen über die Nutzer (in Form von Daten und ihrer strategischen Verwendung) den Weg in die Zukunft weist.

Eine „Reise“ wert

Die relevantesten Vorträge beschäftigten sich mit den Standards und Basics des Storytelling (Valerie Geller), mit moderner multimedialer Marken-Umsetzung (Chris Price, BBC Radio 1), mit der Strategie für den Aufbau eines eigenen Podcastgeschäfts (Podcasting Academy, Brad Brown), bis hin zu eher exotischen aber relevanten Themen wie Podcasting für Blinde oder der Einführung der neuen Internetdomain “…radio“.

Die Radio Days Africa sind eine Partnerveranstaltung der Radiodays Europe, und diese Verbindung tut beiden Konferenzen gut. Würde ich wegen der Radio Days Africa alleine nach Johannesburg reisen? Als Europäer vermutlich nicht, denn der Weg ist einfach zu weit, und die Radiodays Europe decken als viel größere Konferenz ein ganz anderes Spektrum in viel größerer Intensität ab.

Mit rund 250 Teilnehmern sind die Radio Days Africa aber eine respektable Fachveranstaltung mit guten Speakern für Profis und Engagierte, und ein wichtiger Branchentreff für afrikanische Radiomacher. Wer als Europäer noch eine letzte Entschuldigung braucht vielleicht doch einmal dieses faszinierende Land zu besuchen, der sollte die Radio Days Africa 2018 in jedem Fall im Kalender vormerken.

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