Seit vergangenem Wochenende trendet Clubhouse in Deutschland. Das ist eine relativ neue soziale Medienplattform im Audiobereich.
Vorstellen kann man es sich wie eine klassische Branchen-Konferenz: Es gibt ein Panel mit Moderatoren, die miteinander diskutieren und ein schweigendes Publikum, das aktiv oder passiv zuhören kann. Wer will kann die Hand heben und hoffen, auf die Bühne gelassen zu werden.

Seit vergangenem Wochenende bin auch ich dabei und habe dort so viele spannende Clubräume besucht und wurde meist nicht enttäuscht: Spannende Diskussionen, auf Augenhöhe präsentierte Tutorials, politische Einschätzungen morgens, mittags und abends. Oft dabei bekannte Namen wie Thomas Gottschalk, Sigmar Gabriel, Dunja Halali und viele andere medienaffine Politiker, Journalisten und Tech-Spezialisten. Man findet aber auch einen Raum, in dem ein Witz den anderen jagt und die Lachmuskeln extrem strapaziert werden.

Geboten werden aktuelle Themen, wie „Trump geht-Biden kommt“, moderiert von Kai Diekmann. Mit dabei Gabriel, Gottschalk, Dorothea Bär und viele Pressevertreter, die vor bis zu 3600 Zuhörern die aktuelle Situation zum Machtwechsel einschätzen. Es gibt aber auch viele Räume, in denen Clubhouse selbst und die Chancen, die sich daraus ergeben, diskutiert werden.
Abends ab 23 Uhr ist es teilweise nicht mehr jugendfrei, aber nicht schlüpfrig.

Clubhouse ist Audio. Und nur das! Es liegt viel an der Persönlichkeit der Moderatoren. Sie halten das Thema aufrecht, sie sorgen für Abwechslung, laden bekannte Gäste und Fachleute ein, sie holen neue Speaker aus dem Publikum auf die Bühne. Und sie halten sich (hoffentlich) an ihren gesteckten roten Faden. Je besser strukturiert, je klarer das Thema kommuniziert wird, umso spannender ist es für alle Zuhörer. Das Prinzip ist die Offenheit , das Konstruktive in der Diskussion und der Respekt füreinander in den Räumen. So wünsche ich mir ein Talkradio in Deutschland.

Clubhouse ist Entertainment pur! Ein Entertainment, das nur über die Persönlichkeit der Speaker und Moderatoren und ihre die Stimme funktioniert. „Mehr Wort – keine Musik“ wäre der Slogan für diese Form der Darbietung. Und interessant: Es handelt sich um ein lineares Medium, also fast wie Radio. Oder ist es bereits eines?

Ja, es gibt auch Einiges, was kritisch betrachtet werden sollte: Datenschutz wird nicht so groß geschrieben. Um mit dabei zu sein, braucht man zum einen ein IPhone, da es die App nur in Apples AppStore gibt und dann benötigt man auch noch eine Einladung. Das ist erst einmal mühsam, aber vielleicht ist es ja auch die Art des Limits, die es spannend macht, wenn man dann endlich dabei ist.

Zudem will die App den Zugriff auf alle Kontakte. Und innerhalb der Räume gibt es kaum eine Regulierungsmöglichkeit. Wer in einen kritischen Raum gerät, kann ihn zwar schnell wieder verlassen, hat aber wenig Möglichkeit, Verstöße gegen Gesetz oder Regularien zu verfolgen.

FOMO – Fear of missing out: Die Angst, etwas zu verpassen: Die Macher von Clubhouse steuern den Hype sehr geschickt. Jeder, der auf der Plattform ist, kann und soll Influencer werden und durchaus auf Twitter oder Instagram seine Erlebnisse posten. Die Jagd nach den Einladungen und spannende Inhalte machen dann den Hype um die Audio-Plattform komplett.

Wer damit leben kann, hat nun die Möglichkeit, ein weiteres Medium zu nutzen, um sich zu unterhalten, zu informieren, Freunde zu treffen, Fragen zu beantworten, Radiosendungen zu hören (wenn sie dorthin gestreamt werden) oder die Zeit tot zu schlagen. Zumindest im Moment entwickelt sich hier gerade ein Medium, das sich als eine Alternative zu einem Talk-Radio entwickeln kann.

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